Weidenhof Worpswede
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 Natur in Haus und Garten
 

Weidentunnel für Pferde – ein lebender Schattenplatz


Ein Weidentunnel besteht aus zwei Reihen lebender Weiden, deren lange Triebe über einem Weg miteinander verbunden werden. Mit zunehmendem Wachstum entsteht ein grünes Dach, das den Boden beschattet und einen geschützten Aufenthaltsbereich bildet.
Auf einer Pferdeweide oder einem Paddock Trail erfüllt ein großzügig angelegter Weidentunnel gleich mehrere Aufgaben: Die Pferde laufen hindurch, halten sich im Schatten auf und nutzen ihn als zusätzlichen Ruheplatz.
Die Blätter halten direkte Sonneneinstrahlung ab und vermindern die Erwärmung des Bodens. Gleichzeitig verdunsten die Weiden Wasser über ihre Blätter und kühlen dadurch ihre unmittelbare Umgebung.
Auch für Wildtiere sind die Weiden wertvoll. Ihre Blüten liefern früh im Jahr Pollen und Nektar für Insekten. Zwischen den Zweigen finden Vögel und zahlreiche Kleintiere Nahrung und Schutz.

Wie groß sollte ein Weidentunnel für Pferde sein?

Bauansicht für einen Weidentunnel für Pferde

Ein Weidentunnel für Pferde braucht deutlich mehr Platz als ein gewöhnlicher Gartentunnel.
Für einen Tunnel, der gleichzeitig als Durchgang und Schattenplatz dient, empfehlen wir folgende Planungsmaße:

  • Länge: etwa 6–8 Meter
  • Freie Breite: etwa 4–5 Meter
  • Lichte Höhe: etwa 2,5 - 3,5 Meter
  • Pflanzabstand: etwa 40–60 cm

Die Abmessungen richten sich nach der Größe und Anzahl der Pferde. Besonders bei Gruppenhaltung muss genügend Platz bleiben, damit die Tiere aneinander vorbeigehen und rangniedrige Pferde ausweichen können.
Beide Tunnelenden bleiben vollständig offen.

Welche Weiden eignen sich?

Korbweide als empfohlene Pflanze für Weidentunnel

Unser ganz klarer Favorit:  die Korbweide (Salix viminalis). Sie bildet lange, biegsame Triebe, wächst auf ausreichend feuchten Standorten kräftig und lässt sich gut verflechten.
Die Korbweide bevorzugt sonnige Standorte mit frischem bis feuchtem Boden. Auf trockenen Flächen benötigt sie besonders während der Anwuchszeit regelmäßig Wasser.
Für die Anlage werden vorzugsweise kräftige, bewurzelte Pflanzen verwendet. Je größer die Pflanzen bei der Pflanzung bereits sind, desto früher lassen sich ihre Triebe miteinander verbinden. Sie wächst sehr schnell strauchartig bis zu einer Höhe von meist 6-8 Metern. Beides ist wichtig, wir wollen ja keinen starken Hauptstamm, sondern auch von unten viele Triebe, die wir verflechten können und oben wollen wir auch in einigen Jahren noch arbeiten können. 

Stecklinge selber schneiden?

Sicherlich die preiswerteste Alternative, oft aber auch die, die am Ende am meisten Frust erzeugt. Wer selbst Stecklinge schneiden möchte, sollte unbedingt auf die Mutterpflanze achten. Stecklinge von großen Bäumen werden selbst danach streben, große Bäume zu werden. Das macht sie für unsere Zwecke ungeeignet und in späteren Jahren nicht mehr händelbar. Nicht alle Weiden wurzeln gut als Steckling, viele Sorten verzweigen sich kräftig und neigen dazu, unten zu verkahlen. Da Weiden eine große, mitunter unübersichtliche Familie sind und sich gern untereinander bastadisieren, empfehle ich für die bestmöglichen Erfolge eine sorgfältige Vorabauswahl. 

Weidentunnel anlegen – Schritt für Schritt

1. Standort auswählen
Der Standort sollte sonnig sein und ausreichend Platz für den Tunnel sowie die seitlichen Pflanzstreifen bieten.
Besonders auf einem Paddock Trail lässt sich ein gerader Wegabschnitt nutzen. Auch eine breitere Fläche, auf der sich Pferde regelmäßig aufhalten, eignet sich.
2. Pflanzreihen vorbereiten
Auf beiden Seiten des geplanten Durchgangs werden Pflanzstreifen angelegt.
Der Boden wird gelockert und von starkem Grasbewuchs befreit. Anschließend werden die Weiden im Abstand von etwa 40–60 cm gepflanzt und gründlich gewässert.
3. Weiden vor den Pferden schützen
Die unteren Pflanzenteile müssen dauerhaft vor Verbiss und Scheuern geschützt werden.
Dazu werden entlang beider Pflanzreihen stabile Schutzzäune errichtet. Zwischen den Zäunen bleibt der freie Durchgang für die Pferde erhalten.
Der Abstand zwischen Pflanzen und Zaun muss so groß sein, dass die Pferde weder die Stämme noch die jungen Triebe erreichen.
4. Seitenwände wachsen lassen
In den ersten Jahren werden die kräftigsten Triebe nach oben geführt. Seitliche Zweige werden miteinander verflochten.
So entstehen zwei grüne Seitenwände. Regelmäßiges Wässern und das Freihalten der Pflanzstreifen unterstützen die Entwicklung.
5. Das Schattendach formen
Sobald die Triebe lang genug sind, werden sie oberhalb des Pferdebereichs vorsichtig über den Weg geführt und miteinander verbunden.
Die Verbindung erfolgt mit weichem Bindematerial, das regelmäßig kontrolliert wird.
Bei einem vier bis fünf Meter breiten Tunnel müssen die Weiden große Spannweiten überbrücken. Ob ein ausreichend stabiles Dach allein aus den lebenden Trieben entsteht oder eine zusätzliche Tragkonstruktion benötigt wird, hängt von deren Länge, Stärke und Wachstum ab.
Die lichte Höhe muss dauerhaft erhalten bleiben. Herabhängende Zweige werden zurückgeschnitten.

Pflege des Weidentunnels

Ein lebender Weidentunnel verändert sich mit jeder Wachstumsperiode.
Neue Triebe werden eingeflochten, überzählige Zweige zurückgeschnitten und beschädigte Pflanzen ersetzt.
Besonders in trockenen Sommern benötigen die Weiden Wasser. Die Schutzzäune bleiben bestehen, damit die Pferde die Stämme nicht beschädigen.
Mit der Zeit entsteht ein dichteres Blätterdach. Wie schnell der Tunnel vollständig begrünt ist, hängt von den verwendeten Pflanzen, dem Standort und der Wasserversorgung ab.

Ein grüner Weg mit vielen Funktionen

Pferd in einem Weidentunnel auf dem Paddock Trail

Ein Weidentunnel verbindet Schatten, Bewegung und naturnahe Gestaltung miteinander.
Die Pferde erhalten einen zusätzlichen Aufenthaltsbereich. Für viele Pferde ist es interessant, unterschiedliche ,,Landschaften" zu durchwandern. Zudem können sie je nach Wetterlage selbst entscheiden, wo für sie der derzeit angenehmste Berecih ist. 

 Gleichzeitig entwickeln sich die Weiden zu einem Lebensraum für Insekten und Vögel.
Wer den Tunnel großzügig plant und die jungen Gehölze zuverlässig schützt, schafft eine langfristige Begrünung für die Pferdeweide oder den Paddock Trail.