Wenn ich abends wach werde, habe ich Hunger. Hier bei Petra wartet dann mein Futternapf auf mich. Draußen müssen wir Igel unser Abendessen selbst suchen.
Dafür stecken wir unsere Nasen ins Gras, stöbern zwischen Blättern und schnuppern unter alten Ästen. Dort verstecken sich Käfer, Raupen und andere kleine Tiere, die auf unseren Speiseplan gehören. Kommt mit, ich erzähle Euch, was uns schmeckt!
Wir Igel fressen vor allem kleine Tiere. Dazu gehören Käfer, Raupen, Käferlarven und Ohrwürmer. Auch Regenwürmer, Tausendfüßer und Spinnen stehen auf unserem Speiseplan.
Was wir finden, hängt von der Jahreszeit, dem Wetter und unserer Umgebung ab. Unter einer Hecke gibt es andere Verstecke für kleine Tiere als auf einem kurz gemähten Rasen.
Mit unserer Nahrung nehmen wir Eiweiß und Fett auf. Das brauchen wir zum Wachsen, für unsere nächtlichen Streifzüge und um uns Reserven für den Winter anzufressen.
Stellt Euch vor, es wird Abend im Garten. Unter der Hecke rascheln trockene Blätter. Ich schiebe meine Nase dazwischen und schnuppere.
Da bewegt sich etwas!
Ein Käfer läuft über den Boden und verschwindet unter einem Rindenstück. Ich gehe seiner Spur nach. Meine Nase hilft mir bei der Suche, und mit meinen Ohren nehme ich auch ganz leise Geräusche wahr.
So durchstöbern wir Igel Laub, Gras und die Zwischenräume von altem Holz. Unsere Mahlzeiten liegen nicht fertig auf einem Teller. Wir müssen sie erst finden.
Ja, wir fressen auch Schnecken. Aber die Vorstellung, dass wir jede Nacht hauptsächlich Schnecken verspeisen, stimmt nicht. Sie machen nur einen kleineren Teil unserer Nahrung aus.
Schnecken und Regenwürmer können außerdem Parasiten übertragen. Sammelt sie deshalb bitte nicht, um einen Igel damit zu füttern. Besonders für einen geschwächten Igel in Pflege ist das keine gute Idee.
Ein Garten voller unterschiedlicher kleiner Tiere bietet uns eine abwechslungsreichere Nahrung.
Vielleicht kennt Ihr Bilder von einem Igel mit einem Apfel auf dem Rücken. Das sieht lustig aus, hat mit unserer Ernährung aber wenig zu tun. Wir sammeln keine Äpfel auf unseren Stacheln und legen damit auch keinen Vorrat an.
Obst, Gemüse, Nüsse und Brot sind kein geeignetes Futter für uns. Unsere Verdauung ist auf tierische Nahrung eingestellt. Wenn wir unter einem Apfelbaum stöbern, interessieren uns oft die kleinen Tiere zwischen den Früchten.
Und ganz wichtig: Bitte gebt uns niemals Milch! Den Milchzucker vertragen wir nicht gut. Davon können wir Bauchschmerzen und schweren Durchfall bekommen.
Nach einer Futtersuche brauche ich auch etwas zu trinken.
Mit einer flachen, standfesten Schale mit frischem Wasser könnt Ihr uns helfen. Stellt sie an einen geschützten, gut erreichbaren Platz im Garten.
Wechselt das Wasser täglich und reinigt die Schale gründlich. Das könnt Ihr gemeinsam mit einem Erwachsenen übernehmen.
Damit ich größer und kräftiger werde, bekomme ich bei Petra hochwertiges Katzennassfutter mit einem hohen Fleischanteil. Dazu gibt es zur Abwechslung ungewürztes Rührei, geeignete Futterinsekten und getreidefreies Igeltrockenfutter. Frisches Wasser steht ebenfalls für mich bereit.
Nicht alles, was als „Igelfutter“ verkauft wird, passt zu uns. Auch beim Igeltrockenfutter müssen Erwachsene auf die Zutaten schauen: Es sollte überwiegend aus tierischen Bestandteilen bestehen. Getreide, Nüsse, Obst und Zucker gehören nicht hinein.
Mein Päppelfutter hilft mir durch die Zeit in Pflege. Später werde ich draußen wieder selbst auf Futtersuche gehen.
Ein hilfsbedürftiger Igel in Pflege braucht eine andere Versorgung als ein gesunder Igel draußen.
Nicht jeder Igel, der durch Euren Garten läuft, braucht deshalb einen gefüllten Napf. Manchmal ist zusätzliches Futter sinnvoll, etwa wenn ein Tier nicht genügend natürliche Nahrung findet. Das sollten Erwachsene mit einer fachkundigen Igelstation besprechen.
Wenn ein Igel krank, verletzt oder sehr schwach wirkt, braucht er fachkundige Hilfe. Ein Napf allein reicht dann nicht.
Ihr möchtet dafür sorgen, dass ich draußen selbst etwas zu fressen finde? Dann denkt auch an die kleinen Tiere, von denen wir Igel leben.
Heimische Pflanzen ernähren viele Insekten und ihre Larven. Unter Laub, zwischen Zweigen und in morschem Holz finden zahlreiche kleine Tiere Schutz. Lasst deshalb einige wilde Stellen im Garten stehen und verzichtet auf Insektengifte.
So entsteht ein Garten, in dem ich meine Nase auf Futtersuche schicken kann.
Und wenn es abends unter Eurer Hecke raschelt, ist dort vielleicht gerade ein Igel unterwegs, der sein Abendessen sucht.
Euer Ulli Igel