Ich habe eine feine Nase, kleine Ohren und jede Menge Stacheln. Aber als ich geboren wurde, sah ich noch ganz anders aus!
Heute erzähle ich Euch, wie kleine Igel aufwachsen, warum wir meistens allein unterwegs sind und wie ich mich zu einer Stachelkugel zusammenrollen kann.
Viele Igelkinder kommen in Deutschland im August und September zur Welt. Manche werden auch schon früher im Sommer geboren. Das hängt unter anderem von der Region und dem Wetter ab.
Die Igelmutter baut für ihre Jungen ein Nest an einem geschützten Platz. Nach ungefähr fünf Wochen im Bauch der Mutter werden meist vier bis fünf kleine Igel geboren.
Am Anfang sind wir winzig. Unsere Augen und Ohren sind noch geschlossen, und wir brauchen die Wärme und Milch unserer Mutter. Zusammen mit unseren Geschwistern liegen wir gut versteckt im Nest.
Der Igelvater hilft bei der Aufzucht nicht mit. Die Mutter versorgt uns allein.
Ja! Wir kommen tatsächlich schon mit ersten Stacheln zur Welt. Sie sind zunächst weiß und weich und liegen bei der Geburt in der aufgequollenen Rückenhaut verborgen. So verletzen sie die Mutter nicht.
Schon wenige Stunden nach der Geburt treten sie deutlicher hervor. Später wachsen weitere, dunklere Stacheln dazu.
Übrigens sind unsere Stacheln umgewandelte Haare. Auf meinem Bauch wachsen dagegen ganz normale Haare. Dort bin ich also weich und habe keinen Stachelpanzer.
In den ersten Wochen besteht unser Leben vor allem aus Milchtrinken, Schlafen und Wachsen.
Nach ungefähr zwei Wochen beginnen sich Augen und Ohren zu öffnen. Wir bekommen Fell, werden kräftiger und können unsere Umgebung immer besser wahrnehmen.
Mit etwa drei bis vier Wochen wagen wir uns zum ersten Mal aus dem Nest. Alles ist neu: die Gerüche, der Boden unter unseren Füßen und die kleinen Tiere zwischen den Blättern.
Unsere Mutter führt uns dabei nicht wie eine Entenfamilie durch den Garten. Wir unternehmen selbst kleine Ausflüge und beginnen, feste Nahrung zu fressen. Zunächst trinken wir aber auch noch ihre Milch.
Mit ungefähr sechs Wochen sind junge Igel normalerweise selbstständig. Nach und nach gehen die Geschwister ihre eigenen Wege.
Vielleicht fragt Ihr Euch, ob ich später einen anderen Igel zum Zusammenwohnen brauche.
Erwachsene Igel leben meistens allein. Wir suchen selbst nach Futter und nutzen in der Regel eigene Schlafplätze. Das bedeutet nicht, dass wir traurig oder einsam sind. Es gehört zu unserer Lebensweise.
Trotzdem können mehrere Igel denselben Garten besuchen. Unsere Streifgebiete überschneiden sich. Der Igel, den Ihr heute Abend seht, muss also nicht derselbe sein wie gestern.
Wir brauchen vor allem genug Nahrung, sichere Verstecke und Wege, auf denen wir von einem Garten in den nächsten gelangen.
Wenn es abends dämmert, werden wir Igel munter. Aber wie finden wir im Dunkeln unseren Weg?
Meine Nase hilft mir dabei besonders gut. Mit ihr erschnuppere ich Futter, andere Igel und viele Dinge in meiner Umgebung.
Auch meine Ohren sind empfindlich. Bewegungen kleiner Tiere im Laub können Geräusche verursachen, die Ihr vielleicht gar nicht bemerkt.
An meiner Schnauze sitzen außerdem Tasthaare. Sie helfen mir, Hindernisse und enge Durchgänge zu ertasten.
Meine Augen sind dagegen nicht meine größte Stärke. Ich entdecke die Welt vor allem mit der Nase, den Ohren und durch Berührungen.
Probiert es selbst einmal aus: Bleibt an einem sicheren Platz im Garten stehen und schließt die Augen. Was hört Ihr? Rascheln Blätter? Summt ein Insekt? Könnt Ihr feuchte Erde oder eine Blüte riechen?
Wenn mich etwas erschreckt, kann ich meine Stacheln aufstellen. Bei Gefahr ziehe ich Kopf, Beine und meinen kleinen Schwanz dicht an den Körper.
Eine besondere Muskulatur hilft mir, mich fest zusammenzurollen. Dazu gehört ein kräftiger Ringmuskel. So wird aus einem Igel mit Nase und Füßen eine rundum stachelige Kugel.
Mein empfindlicher Bauch und mein Gesicht liegen dann geschützt im Inneren.
Das ist ein erstaunlicher Schutz. Trotzdem möchte ich mich nicht ständig erschrecken müssen. Bitte stupst einen Igel deshalb niemals an, nur um zu sehen, wie er sich einrollt. Beobachtet ihn lieber mit Abstand.
Wenn Ihr morgens aufsteht, ist für uns meistens Schlafenszeit.
Tagsüber ruhen wir an geschützten Orten: unter dichten Sträuchern, in Laub- und Reisighaufen oder unter Holzstapeln. Manchmal genügt ein einfaches Tagesnest. Wir wechseln auch zwischen verschiedenen Schlafplätzen.
Ein guter Schlafplatz liegt verborgen und bleibt ungestört. Deshalb ist es so hilfreich, wenn unter einer Hecke Laub liegen bleiben darf.
Entdeckt Ihr zufällig ein Nest, schaut bitte nicht genauer hinein. Besonders eine Igelmutter mit ihren Jungen braucht Ruhe.
Im Winter halten wir einen besonderen Schlaf: den Winterschlaf. Davon erzähle ich Euch in einer eigenen Geschichte mehr.
Stellt Euch vor, Ihr wärt so klein wie ich und würdet dicht über dem Boden laufen.
Wo könntet Ihr Euch verstecken? Was würde unter Euren Füßen rascheln? Welche Gerüche und Geräusche würdet Ihr entdecken?
Vielleicht fällt Euch dabei eine Gartenecke auf, die Ihr bisher kaum beachtet habt. Für einen Igel könnte genau dort ein guter Platz zum Schlafen oder der Beginn einer nächtlichen Entdeckungstour liegen.
Euer Ulli Igel