ein Leben zwischen Glockenblüten
Chelostoma rapunculi
Manche Wildbienen sind echte Spezialisten. Die kleine Glockenblumen-Scherenbiene gehört dazu.
Während andere Wildbienen ganz unterschiedliche Blüten besuchen, hat sie eine besondere Vorliebe: Glockenblumen. Nur hier sammelt das Weibchen den Pollen, mit dem es seinen Nachwuchs versorgt.
Und weil die Natur wunderbar aufeinander abgestimmt ist, beginnt ihre Flugzeit genau dann, wenn die ersten Glockenblumen blühen. Von etwa Juni bis August ist sie unterwegs, immer auf der Suche nach den vertrauten violetten, blauen oder weißen Blütenglocken.
Zu Hause ist sie dort, wo Glockenblumen wachsen und geeignete Nistplätze vorhanden sind: auf blütenreichen Wiesen, an sonnigen Waldrändern und in naturnahen Gärten.
Für ihre Kinderstuben nutzt sie vorhandene kleine Hohlräume, beispielsweise alte Käferfraßgänge im Totholz oder hohle Pflanzenstängel. Dort legt sie für jede Larve einen Vorrat aus Pollen und Nektar an und verschließt die Brutzelle sorgfältig.
Besonders hübsch ist eine Angewohnheit der Männchen: Wenn der Tag zu Ende geht, suchen sie sich gerne eine Glockenblüte als Schlafplatz. Tief in der Blütenglocke verbringen sie die Nacht, geschützt vor Wind und Wetter. Mit etwas Glück entdeckt man am frühen Morgen noch einen dieser kleinen Schlafgäste.
Vor allem heimische Glockenblumen, beispielsweise die Rundblättrige, Nesselblättrige, Pfirsichblättrige, Knäuel- oder Rapunzel-Glockenblume.
Wer Glockenblumen im Garten wachsen und verblühen lässt und dazu natürliche Nistmöglichkeiten erhält, schenkt dieser kleinen Spezialistin nicht nur einen gedeckten Tisch, sondern vielleicht auch ein Zuhause.
Und wer abends einmal vorsichtig in eine Glockenblüte schaut, entdeckt mit etwas Glück einen winzigen Übernachtungsgast.
Colletes hederae
Wenn die Tage kürzer werden, die letzten Sommerblumen verblühen und sich viele Wildbienen längst zur Ruhe begeben haben, beginnt für eine kleine Spezialistin erst die wichtigste Zeit des Jahres.
Die Efeu-Seidenbiene ist eine echte Spätaufsteherin.
Während andere Bienen schon ihren Nachwuchs versorgt haben, wartet sie auf die Blüte des Efeus. Erst im Spätsommer und Herbst, wenn sich seine unscheinbaren gelbgrünen Blüten öffnen, beginnt ihre große Zeit.
Hier sammelt sie den Pollen für ihre Kinderstube. Auf diesen späten Blütenbesuch ist sie so gut abgestimmt, dass man sie besonders häufig an blühendem Efeu entdecken kann.
Ihr Zuhause liegt allerdings nicht im Efeu. Die Weibchen graben ihre Nester in sandige oder andere gut geeignete Böden. Manchmal entstehen dort ganze Nachbarschaften mit zahlreichen Nesteingängen. Trotzdem versorgt jedes Weibchen seinen Nachwuchs ganz allein.
Die kleinen Brutzellen kleidet sie mit einer besonderen, seidenartig wirkenden Schutzschicht aus. Dieser verdankt sie ihren Namen.
Während draußen der Winter Einzug hält, ruht die nächste Generation gut geschützt im Boden und wartet auf das kommende Jahr.
Ihre wichtigste Pflanze: Gewöhnlicher Efeu (Hedera helix).
Wer alten Efeu blühen lässt und offene, geeignete Bodenstellen erhält, kann dieser besonderen Wildbiene Nahrung und Nistmöglichkeiten bieten.
Wenn im zeitigen Frühjahr die ersten Sonnenstrahlen den Garten erwärmen, flattert manchmal schon ein leuchtend gelber Schmetterling vorbei. Der Zitronenfalter!
Wo kommt er nur her, während die meisten anderen Schmetterlinge noch auf den Frühling warten?
Die Antwort ist erstaunlich: Er war die ganze Zeit da.
Der Zitronenfalter verbringt den Winter als ausgewachsener Schmetterling, manchmal fast ungeschützt zwischen Blättern, Gräsern, meist aber im dichten Efeu odfer Ilex. Eine Art körpereigenes Frostschutzmittel hilft ihm, selbst eisige Temperaturen zu überstehen.
An warmen Frühlingstagen erwacht er aus seiner Winterruhe und macht sich auf die Suche nach Nahrung und einem Partner.
Für seinen Nachwuchs braucht er allerdings ganz bestimmte Pflanzen. Das Weibchen legt seine Eier ausschließlich an Faulbaum oder Kreuzdorn ab. Nur an solchen Kreuzdorngewächsen können sich seine Raupen entwickeln. Gut getarnt sitzen die kleinen grünen Raupen auf den Blättern und fressen sich satt.
Im Sommer schlüpft schließlich eine neue Generation Zitronenfalter. Auch sie wird den Winter als Schmetterling verbringen und im nächsten Frühjahr zu den ersten bunten Frühlingsboten gehören.
Seine wichtigsten Pflanzen: Faulbaum (Frangula alnus) und Gewöhnlicher Kreuzdorn (Rhamnus cathartica).
Wer diese heimischen Sträucher im Garten pflanzt, sorgt dafür, dass aus einem flatternden Frühlingsboten auch die nächste Generation entstehen kann.
Wenn im Frühsommer die ersten Blüten des Gewöhnlichen Natternkopfs erscheinen, beginnt auch für diese kleine Wildbiene die wichtigste Zeit des Jahres.
Von Juni bis August kann man sie mit etwas Glück zwischen den auffälligen blauen Blüten entdecken. Unermüdlich sammelt das Weibchen Pollen für seinen Nachwuchs.
Und dabei ist sie erstaunlich wählerisch: Für die Versorgung ihrer Larven kommt ausschließlich Pollen von Natternkopf-Arten infrage. Andere Blüten mag sie zwar gelegentlich besuchen, aber für ihre Kinderstuben braucht sie ihren Natternkopf.
Besonders spannend ist die Farbe ihrer Vorräte. Der zunächst graublaue Pollen verwandelt sich zusammen mit dem gesammelten Nektar in einen dunkelvioletten Futterbrei. Eine Kinderstube voller lila Proviant!
Ihr Nest baut die Natternkopf-Mauerbiene nicht selbst in Holz oder Erde. Sie nutzt bereits vorhandene Hohlräume, beispielsweise alte Käferfraßgänge im Totholz. Auch geeignete Nisthilfen nimmt sie an.
Dort legt sie für jede Larve einen Nahrungsvorrat an, legt ein Ei dazu und verschließt die Brutzelle. Anschließend beginnt die Arbeit an der nächsten Kinderstube.
Ihre wichtigste Pflanze: Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare).
Wer Natternkopf im Garten wachsen lässt und dazu geeignete Nistmöglichkeiten bietet, kann dieser kleinen Spezialistin ein Zuhause schenken.
Auf alle Fälle lohnt es sich, an einem sonnigen Sommertag einmal genauer hinzusehen: Zwischen den blauen Blüten könnte gerade eine fleißige Wildbienenmutter unterwegs sein, die für ihren Nachwuchs lila Proviant sammelt.