1. Auf welchen Untergründen hält Lehmputz?
2. Kann ich Lehmputz auf vorhandenen alten Putz auftragen?
3. Was mache ich, wenn der alte Putz sandet oder bröckelt?
4. Kann ich Lehmputz auf Gipskarton, Beton, OSB oder Holz auftragen?
5. Muss ich vor dem Lehmputz grundieren?
6. Welchen Lehmputz brauche ich – Grundputz, Oberputz oder Edelputz?
7. Wie dick muss ich Lehmputz auftragen?
8. Wie viel Lehmputz brauche ich für meine Wand?
9. Was kostet Lehmputz pro Quadratmeter?
10. Kann ich Lehmputz selber verarbeiten?
11. Welches Werkzeug brauche ich zum Lehmputzen?
12. Wie rühre ich Lehmputz richtig an?
13. Wie trage ich Lehmputz richtig auf?
14. Wie lange muss Lehmputz trocknen?
15. Wie trocknet Lehmputz richtig?
16. Was mache ich, wenn der Lehmputz Risse bekommt?
17. Was mache ich, wenn der Lehmputz beim Trocknen schimmelt?
18. Wie kann ich beschädigten Lehmputz ausbessern?
19. Was kann ich anschließend auf Lehmputz streichen oder auftragen?
20. Kann ich Lehmputz im Badezimmer verwenden?
Lehmputz kann auf vielen unterschiedlichen Untergründen verarbeitet werden. Entscheidend ist vor allem der Zustand der Wand: Sie muss trocken, sauber, tragfähig und ausreichend rau sein.
Ob der vorhandene Untergrund geeignet ist, lässt sich oft schon mit einfachen Mitteln prüfen. Mit der Hand über die Wand wischen zeigt, ob sie stark staubt. Eine Kratzprobe mit Spachtel oder Kelle gibt Hinweise auf die Festigkeit. Bei einer Benetzungsprobe lässt sich erkennen, ob die Wand Wasser aufnimmt oder es abperlt.
Ziegel- und anderes Mauerwerk, vorhandene Lehmputze, Kalk-, Zement- oder Gipsputze sowie Trockenbauplatten können geeignete Untergründe sein. Je nach Material und Zustand können jedoch eine Grundierung, eine besondere Vorbereitung oder ein Putzträger notwendig sein.
Bei feuchten Wänden gilt: Erst die Ursache der Feuchtigkeit klären und beseitigen, dann verputzen. Bei einem unbekannten oder schwierigen Untergrund empfiehlt sich zunächst eine Probefläche.
Ja, ein vorhandener Putz muss nicht automatisch entfernt werden. Ist er trocken, fest und tragfähig, kann er häufig als Untergrund für Lehmputz erhalten bleiben.
Bevor es losgeht, sollte die Wand gründlich geprüft werden. Gibt es hohle Stellen? Löst sich der Putz irgendwo von der Wand? Sandet oder bröckelt die Oberfläche? Lose Bereiche müssen entfernt und Fehlstellen ausgebessert werden. Je nach Untergrund kann anschließend eine Grundierung oder eine andere Vorbereitung notwendig sein.
Auch alter Lehmputz lässt sich häufig erhalten und weiterbearbeiten. Bei einem unbekannten Altputz lohnt es sich, zunächst eine Probefläche anzulegen und zu prüfen, ob der geplante Aufbau funktioniert.
Unser Tipp: Klopfen Sie die Wand ruhig einmal ab. Ein deutlich hohler Klang kann auf Stellen hinweisen, an denen der alte Putz nicht mehr richtig mit dem Untergrund verbunden ist. Eine Grundierung kann einen nicht mehr tragfähigen Putz nicht wieder fest mit der Wand verbinden.
Ein alter Putz muss nicht gleich komplett von der Wand. Zuerst lohnt sich ein genauer Blick: Sandet nur die Oberfläche leicht oder lösen sich bereits ganze Bereiche?
Leicht lösliche Sandkörner und lose Bestandteile werden gründlich abgebürstet und entfernt. Ist der Putz grundsätzlich noch fest mit der Wand verbunden, kann ein geeigneter Tiefengrund beziehungsweise Festiger den sandenden Untergrund stabilisieren. Erst wenn die Fläche wieder ausreichend fest und vollständig trocken ist, wird weitergearbeitet.
Bröckelt der Putz dagegen stärker, klingt er beim Abklopfen hohl oder löst er sich bereits vom Mauerwerk, sollten diese Bereiche entfernt und neu aufgebaut werden. Eine Grundierung kann einen nicht mehr tragfähigen Putz nicht retten.
Unser Tipp: Nicht einfach über eine sandende Wand hinwegputzen. Ein Lehmputz kann nur so zuverlässig halten wie der Untergrund, auf dem er sitzt.
Ja, Lehmputz lässt sich auch auf vielen modernen Bau- und Plattenwerkstoffen einsetzen. Allerdings ist nicht jeder Untergrund direkt putzfähig und die Vorbereitung unterscheidet sich deutlich.
Gipskarton und Gipsfaserplatten:
Auf geeigneten Trockenbauplatten sind dünne Lehmputz-Oberflächen möglich. Die Platten müssen fachgerecht montiert und die Fugen entsprechend vorbereitet sein. Vor dem Verputzen braucht die Fläche eine geeignete Grundierung, die für ausreichende Haftung sorgt und die Saugfähigkeit berücksichtigt.
Beton:
Auch Beton kann mit Lehm verputzt werden. Die sehr glatte und meist wenig saugende Oberfläche benötigt jedoch eine entsprechende Vorbereitung, damit der Lehmputz zuverlässig haftet.
OSB und andere Holzwerkstoffplatten:
Hier darf der Lehmputz nicht einfach direkt auf die Platte aufgetragen werden. Holzwerkstoffplatten benötigen einen geeigneten Putzträger. Darüber wird der Lehmputz mehrlagig aufgebaut und in der Regel zusätzlich armiert.
Holz und Holzbalken:
Auch Holz wird nicht einfach direkt überputzt. Soll beispielsweise ein Holzbalken in einer verputzten Wand verschwinden, wird auf dem Holz zunächst ein Putzträger befestigt. Anschließend kann der Lehmputz darüber aufgebaut werden.
Unser Tipp: Bei Plattenwerkstoffen immer genau hinschauen, um welche Platte es sich handelt. Gipskarton, Lehmbauplatte und OSB sehen vielleicht alle nach „Trockenbau“ aus – für den Lehmputz sind es aber völlig unterschiedliche Untergründe.
Nein, nicht jede Wand muss vor dem Verputzen grundiert werden. Ob eine Grundierung notwendig ist, hängt vom Untergrund ab. Lehmputz haftet vor allem mechanisch am Untergrund – eine ausreichend feste und griffige Oberfläche ist deshalb besonders wichtig. Viele geeignete mineralische Untergründe können ohne zusätzliche Grundierung verputzt werden.
Bei sehr glatten oder wenig griffigen Flächen, zum Beispiel Beton, kann eine körnige Grundierung als Haftbrücke notwendig sein. Sie schafft eine raue Oberfläche, an der sich der Lehmputz besser festhalten kann.
Bei stark oder unterschiedlich saugenden Untergründen kann eine Grundierung die Saugfähigkeit ausgleichen und dafür sorgen, dass sich der Lehmputz besser verarbeiten lässt. Stark saugend bedeutet beim Lehmputz allerdings nicht automatisch, dass grundiert werden muss: Anders als beispielsweise Kalk- oder Zementputz benötigt Lehm das enthaltene Wasser nicht zum chemischen Abbinden, sondern wird durch Trocknung fest.
Unser Tipp: Erst die Wand prüfen und dann entscheiden, ob überhaupt eine Grundierung gebraucht wird. Eine Grundierung sollte immer eine bestimmte Aufgabe erfüllen – beispielsweise die Oberfläche griffiger machen, unterschiedliche Saugfähigkeit ausgleichen oder einen sandenden Untergrund festigen. Einfach vorsichtshalber alles zu grundieren ist nicht notwendig.
Welcher Lehmputz der richtige ist, hängt vor allem davon ab, was an der Wand gemacht werden soll und wie die fertige Oberfläche aussehen soll. Nicht jede Wand braucht automatisch Grundputz, Oberputz und Edelputz.
Grund- bzw. Unterputz kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Unebenheiten ausgeglichen, Installationen überputzt oder größere Putzstärken aufgebaut werden sollen. Er bildet die Grundlage für die weiteren Putzschichten. Bei conluto kann der Lehm-Unterputz beispielsweise in einer Lage von 5 bis 30 mm verarbeitet werden.
Oberputz ist feiner und kann die sichtbare fertige Oberfläche bilden. Je nach Verarbeitung kann die Wand anschließend eher strukturiert oder glatt gestaltet werden. Sie kann so belassen oder beispielsweise mit Lehmfarbe gestrichen werden. Der conluto Lehm-Oberputz wird üblicherweise in einer Schicht von 5 bis 10 mm verarbeitet.
Edelputz ist dagegen keine Ausgleichsschicht, sondern eine sehr dünne dekorative Endbeschichtung. Er wird auf einen bereits ebenen Untergrund aufgetragen und bestimmt Farbe und Charakter der fertigen Wand. Bei conluto beträgt die Schichtstärke nur etwa 1 bis maximal 2 mm. Unebenheiten oder Fehlstellen lassen sich damit nicht ausgleichen.
Unser Tipp: Überlegen Sie zuerst, was Ihre Wand tatsächlich braucht. Eine unebene alte Mauer benötigt einen anderen Aufbau als eine bereits ebene verputzte Wand, die lediglich eine neue Oberfläche bekommen soll. Je besser der vorhandene Untergrund, desto weniger Putzschichten können notwendig sein.
Wie dick Lehmputz aufgetragen wird, hängt davon ab, welche Aufgabe der Putz übernehmen soll. Zum Ausgleichen einer unebenen Wand braucht es deutlich mehr Material als für eine feine abschließende Oberfläche.
Als Orientierung können Sie bei den von uns angebotenen conluto-Lehmputzen mit folgenden Schichtstärken rechnen:
Lehm-Unterputz: etwa 5–30 mm pro Lage. Er eignet sich zum Ausgleichen von Unebenheiten und zum Aufbau stärkerer Putzschichten. Größere Gesamtdicken werden in mehreren Arbeitsgängen aufgebaut.
Lehm-Oberputz: etwa 5–10 mm. Er wird wesentlich dünner aufgetragen und kann bereits die fertige Putzoberfläche bilden.
Lehm-Edelputz: nur etwa 1–2 mm. Er dient der Gestaltung der fertigen Oberfläche und nicht dazu, Unebenheiten der Wand auszugleichen.
Bei einem mehrlagigen Aufbau muss die vorherige Putzlage ausreichend getrocknet sein, bevor die nächste folgt. Gerade bei größeren Putzstärken ist eine gute Trocknung wichtig.
Unser Tipp: Nicht versuchen, größere Unebenheiten mit einer besonders dicken Lage auf einmal auszugleichen. Lieber den notwendigen Aufbau vorher festlegen und größere Putzstärken schrittweise aufbauen.
Wie viel Lehmputz benötigt wird, hängt von der Größe der Wand, der verwendeten Putzart und der Schichtstärke ab. Je dicker der Putz aufgetragen wird, desto höher ist der Materialbedarf.
Beim Lehm-Unterputz kann man bei einer Schichtstärke von 10 mm mit etwa 14,5 kg pro m² rechnen. Für eine 10 m² große Wand werden damit ungefähr 145 kg Lehm-Unterputz benötigt. Das entspricht rund 6 Säcken à 25 kg.
Beispiel Unterputz:
10 m² Wand × 10 mm Putzstärke = ca. 145 kg = 6 Säcke à 25 kg
Der Lehm-Oberputz wird in der Regel dünner aufgetragen. Rechnen wir mit einer Schichtstärke von 5 mm, werden ungefähr 7,25 kg pro m² benötigt. Für dieselbe 10 m² große Wand sind das etwa 72,5 kg, also rund 3 Säcke à 25 kg.
Beispiel Oberputz:
10 m² Wand × 5 mm Putzstärke = ca. 72,5 kg = 3 Säcke à 25 kg
Bei einem Lehm-Edelputz ist die Schicht noch wesentlich dünner. Er dient der Gestaltung der fertigen Oberfläche und nicht dem Ausgleich größerer Unebenheiten. Entsprechend ist auch der Materialbedarf deutlich geringer.
Beispiel Edelputz: 10 m² Wand × 1,5 mm Putzstärke = ca. 21 kg Lehm-Edelputz → 1 Sack à 25 kg
Unser Tipp: Bei alten oder unebenen Wänden etwas Reserve einplanen. Die Putzstärke ist dort in der Praxis selten überall exakt gleich und Vertiefungen können den tatsächlichen Materialbedarf erhöhen.
Die Kosten für Lehmputz lassen sich nicht mit einem einzigen Quadratmeterpreis angeben. Entscheidend sind vor allem Putzart, Schichtstärke und der Zustand der vorhandenen Wand. Eine bereits ebene und tragfähige Wand benötigt deutlich weniger Material als eine unebene Wand, die zunächst mit Unterputz ausgeglichen werden muss.
Für die reinen Materialkosten lässt sich der Preis pro Quadratmeter aber einfach berechnen. Dazu wird der Preis eines Sackes durch die Fläche geteilt, die mit diesem Sack bei der gewünschten Putzstärke verputzt werden kann.
Ein 25-kg-Sack Lehm-Unterputz reicht bei 10 mm Auftragsstärke für etwa 1,7 m². Wird der Oberputz nur etwa 5 mm dick aufgetragen, reicht die gleiche Materialmenge entsprechend ungefähr doppelt so weit. Beim Lehm-Edelputz ist der Auftrag mit etwa 1–2 mm noch wesentlich dünner.
So können Sie selbst rechnen:
Preis des Sackes ÷ Reichweite des Sackes = Materialkosten pro m²
Hinzu kommen – je nach Wand – eventuell Kosten für Grundierung, Putzträger oder Armierungsgewebe. Wer den Lehmputz selbst verarbeitet, spart außerdem die Arbeitskosten für einen Handwerksbetrieb.
Unser Tipp: Beim Preisvergleich nicht nur auf den Sackpreis schauen. Entscheidend ist, wie viele Quadratmeter mit einem Sack bei der tatsächlich benötigten Schichtstärke verputzt werden können.
Lehmputz eignet sich grundsätzlich gut zum Selbermachen. Besonders angenehm ist, dass Lehm nicht chemisch abbindet, sondern durch Trocknung fest wird. Dadurch entsteht bei der Verarbeitung weniger Zeitdruck als bei vielen anderen Putzen.
Für den Einstieg empfiehlt sich eine kleine Probefläche. So bekommt man schnell ein Gefühl für die richtige Konsistenz, die benötigte Putzstärke und den Umgang mit Kelle und Glätter.
Wichtig ist allerdings eine sorgfältige Vorbereitung. Der Untergrund muss zum geplanten Putzaufbau passen und entsprechend vorbereitet sein. Auch die richtige Wassermenge, Schichtstärke und eine gute Trocknung spielen eine wichtige Rolle.
Kleinere Flächen und einfache, gerade Wände sind für Anfänger meist gut zu bewältigen. Bei schwierigen Untergründen, sehr großen Flächen oder komplizierten Anschlüssen kann fachkundige Unterstützung sinnvoll sein.
Unser Tipp: Nicht gleich mit der wichtigsten Wohnzimmerwand anfangen. Eine kleinere Wand oder eine weniger auffällige Fläche ist ideal, um die Verarbeitung zunächst auszuprobieren. Lehm lässt sich dabei vergleichsweise gut korrigieren – auch bereits angetrocknete Flächen können wieder angefeuchtet und weiterbearbeitet werden.
Für Lehmputz braucht man keine große Spezialausrüstung. Für kleinere Flächen und normale Wände reichen einige grundlegende Werkzeuge aus.
Zum Anrühren werden ein sauberer Mörtelkübel und ein kräftiges Rührgerät mit geeignetem Rührquirl benötigt. Zum Auftragen und Verteilen eignen sich Maurerkelle, Glättkelle oder Traufel. Mit einem kleineren Spachtel lassen sich Ecken, Anschlüsse und schwer erreichbare Stellen bearbeiten.
Für die weitere Oberflächengestaltung kommt es darauf an, wie die Wand später aussehen soll. Mit einem Schwammbrett kann die Oberfläche abgerieben und strukturiert werden. Für feinere und glattere Oberflächen werden geeignete Glätter oder Kellen verwendet.
Außerdem sinnvoll sind Wasserwaage, Abdeckmaterial, Eimer, Bürste oder Quast und eine Sprühflasche mit Wasser. Damit kann der Untergrund vorbereitet und der Lehm während der Bearbeitung bei Bedarf wieder leicht angefeuchtet werden.
Bei uns auf dem Weidenhof erhalten Sie auch geeignetes Werkzeug für die Verarbeitung von Lehmputz. Einige Werkzeuge bieten wir außerdem zur Miete an. Gerade wenn nur ein einzelnes Projekt ansteht, muss so nicht jedes Werkzeug extra angeschafft werden.
Unser Tipp: Für die ersten Versuche braucht es keine komplette Putzer-Ausrüstung. Mit einem guten Rührgerät, Mörtelkübel, Traufel, Kelle und Schwammbrett lässt sich schon sehr viel machen. Entscheidend ist weniger die Menge der Werkzeuge als ein wenig Übung im Umgang damit.
Lehmputz wird mit sauberem Wasser in einem sauberen Mörtelkübel angerührt. Für kleinere Mengen eignet sich ein kräftiges Rührgerät mit Rührquirl. Größere Mengen können mit einem geeigneten Mischer aufbereitet werden.
Wichtig ist, die Wassermenge nicht einfach nach Gefühl festzulegen. Sie richtet sich nach dem jeweiligen Lehmputz, dem Untergrund und der gewünschten Verarbeitung. Deshalb zunächst nach den Angaben für das verwendete Produkt anmischen und bei Bedarf vorsichtig nachjustieren.
Der Putz sollte gründlich und ausreichend lange gemischt werden. Dadurch wird er gleichmäßiger und geschmeidiger und mögliche Klümpchen werden reduziert. Bei manchen feinen Lehmputzen ist außerdem eine Ruhe- bzw. Quellzeit vorgesehen, nach der das Material nochmals gründlich durchgerührt wird.
Die fertige Mischung sollte sich gut mit der Kelle aufnehmen und auf der Wand verteilen lassen. Ist sie zu trocken und steif, lässt sie sich schlecht verarbeiten. Ist sie zu flüssig, kann sie an der Wand abrutschen und lässt sich schlechter in der gewünschten Schichtstärke auftragen.
Unser Tipp: Beim ersten Anrühren lieber mit der vorgesehenen Wassermenge beginnen und die Konsistenz anschließend in kleinen Schritten einstellen. Wasser lässt sich leicht ergänzen – ein viel zu dünn angerührter Kübel ist deutlich umständlicher zu korrigieren.
Lehmputz wird mit Kelle oder Traufel auf den vorbereiteten Untergrund aufgetragen und gleichmäßig verteilt. Entscheidend ist, dass der Untergrund tragfähig, sauber und passend zum jeweiligen Wandaufbau vorbereitet ist.
Die richtige Schichtstärke richtet sich nach der verwendeten Putzart. Unterputz wird stärker aufgetragen und dient unter anderem dazu, Unebenheiten auszugleichen. Oberputz wird dünner verarbeitet, während Edelputz nur eine sehr dünne dekorative Schicht bildet.
Bei größeren Putzstärken oder einem mehrlagigen Aufbau wird nicht alles in einem Arbeitsgang aufgetragen. Die einzelnen Putzlagen werden nacheinander aufgebaut. Bevor die nächste Lage folgt, muss die vorherige ausreichend getrocknet sein.
Nach dem Auftragen wird die Fläche zunächst abgezogen und geebnet. Wie es anschließend weitergeht, hängt von der gewünschten Oberfläche ab. Lehmputz kann beispielsweise mit dem Schwammbrett abgerieben, strukturiert oder mit geeigneten Werkzeugen feiner geglättet werden.
Ein großer Vorteil beim Arbeiten mit Lehm ist seine lange Bearbeitbarkeit. Solange die Oberfläche noch ausreichend feucht ist, kann sie weiterbearbeitet werden. Auch bereits angetrockneter Lehm lässt sich durch vorsichtiges Anfeuchten häufig noch einmal bearbeiten.
Unser Tipp: Gerade am Anfang lieber eine kleinere Fläche vollständig bearbeiten, statt eine sehr große Wand auf einmal vorzulegen. So bekommt man schnell ein Gefühl dafür, wann der richtige Zeitpunkt zum Abziehen, Abreiben oder Glätten gekommen ist.
Wie lange Lehmputz trocknen muss, lässt sich nicht pauschal in Tagen angeben. Entscheidend sind vor allem Schichtstärke, Untergrund, Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung.
Als grobe Orientierung kann man unter günstigen Bedingungen mit etwa 1 mm Putzstärke pro Tag rechnen. Ein 10 mm starker Lehmputz kann demnach ungefähr zehn Tage benötigen. Das ist jedoch nur eine Faustregel: Bei kühlem oder feuchtem Wetter und wenig Luftaustausch kann die Trocknung deutlich länger dauern.
Besonders wichtig ist, dass der Lehmputz vollständig durchtrocknen kann. Lehm wird nicht durch eine chemische Reaktion fest, sondern dadurch, dass das enthaltene Wasser verdunstet. Deshalb ist eine gute Trocknung ein wesentlicher Teil der Verarbeitung.
Bei dickeren Putzlagen oder ungünstigen Bedingungen sollte die Trocknung von Anfang an unterstützt werden. Regelmäßiges Querlüften und ausreichende Luftbewegung helfen dabei. Reicht das nicht aus, können beispielsweise Ventilatoren oder geeignete Bautrockner eingesetzt werden.
Die nächste Putzlage oder der anschließende Oberflächenaufbau sollte erst erfolgen, wenn die vorherige Lage ausreichend getrocknet ist.
Unser Tipp: Nicht nur nach dem Kalender gehen. Eine 10-mm-Putzschicht ist nicht automatisch nach zehn Tagen trocken. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lüftungsmöglichkeiten können die Trocknungszeit erheblich verändern.
Damit Lehmputz zuverlässig trocknet, muss die beim Anmischen und Verarbeiten eingebrachte Feuchtigkeit wieder aus dem Raum abgeführt werden. Entscheidend sind deshalb Luftaustausch und Luftbewegung.
Am einfachsten funktioniert die Trocknung durch regelmäßiges kräftiges Querlüften. Dabei werden gegenüberliegende Fenster oder Türen geöffnet, sodass die feuchte Raumluft schnell nach draußen gelangen kann. Dauerhaft gekippte Fenster sind dafür wesentlich weniger wirkungsvoll.
Gerade bei größeren Flächen und dickeren Putzschichten gelangt viel Wasser in den Raum. Dann reicht gelegentliches Lüften unter Umständen nicht aus. Ventilatoren können die Luftbewegung verbessern, bei ungünstiger Witterung oder hoher Luftfeuchtigkeit kann zusätzlich ein geeigneter Bautrockner sinnvoll sein.
Auch die Raumtemperatur spielt eine Rolle. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Im Winter kann deshalb eine Kombination aus maßvollem Heizen und anschließendem kräftigem Lüften die Trocknung unterstützen.
Wichtig ist jedoch: Lehmputz nicht mit extremer Hitze möglichst schnell trocknen. Eine zu aggressive Trocknung kann Spannungen fördern und damit die Gefahr von Rissen erhöhen.
Bei dickeren Lehmputzschichten sollte die Trocknung besonders aufmerksam begleitet werden. Bleibt der Putz über längere Zeit sehr feucht, können sich auf der Oberfläche Schimmelpilze bilden.
Unser Tipp: Nach dem Verputzen nicht einfach Fenster schließen und den Raum sich selbst überlassen. Gerade in den ersten Tagen regelmäßig kontrollieren, wie feucht Wand und Raumluft sind, und für ausreichenden Luftaustausch sorgen. So kann der Lehm gleichmäßig und sicher trocknen.
Risse im Lehmputz können unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb sollte man einen Riss nicht einfach sofort zuspachteln, sondern zunächst prüfen, warum er entstanden ist.
Feine Trocknungs- oder Schwindrisse können entstehen, wenn eine Putzschicht zu dick aufgetragen wurde, der Untergrund sehr unterschiedlich saugt oder der Putz zu schnell trocknet. Solche oberflächlichen Risse lassen sich bei Lehm häufig gut korrigieren. Die Stelle wird wieder leicht angefeuchtet und kann – je nach Oberfläche und Tiefe des Risses – nachgerieben oder mit geeignetem Lehmmaterial ausgebessert werden.
Anders sieht es bei Rissen aus, die durch Bewegungen im Untergrund entstehen. Typische Stellen sind beispielsweise Übergänge zwischen unterschiedlichen Baustoffen, Plattenstöße oder Bereiche zwischen Mauerwerk und Holzbalken. Hier muss der Wandaufbau berücksichtigt werden. Je nach Situation können eine Armierung oder ein bewusst ausgebildeter Anschluss notwendig sein.
Gerade an Übergängen zwischen Holz und verputzten Flächen kann eine Schattenfuge sinnvoll sein. Holz arbeitet bei Veränderungen von Temperatur und Feuchtigkeit anders als der angrenzende Putz. Statt beide Materialien starr miteinander zu verbinden, werden sie durch eine schmale, bewusst angelegte Fuge optisch voneinander getrennt. Bewegungen treten dann nicht unkontrolliert als Riss in der Putzfläche hervor. Gleichzeitig kann eine sauber ausgeführte Schattenfuge ein schönes gestalterisches Detail sein.
Auch ein nicht ausreichend tragfähiger Untergrund kann zu Rissen oder sogar zu Ablösungen führen. Klingt der Putz beim Abklopfen hohl oder löst er sich von der Wand, reicht es nicht aus, lediglich den sichtbaren Riss zu schließen.
Unser Tipp: Ein einzelner feiner Trocknungsriss ist meist kein Grund zur Sorge. Bei Übergängen unterschiedlicher Baustoffe lohnt es sich dagegen, bereits vor dem Verputzen über Armierung, Anschlüsse oder eine Schattenfuge nachzudenken. Wird ein Riss breiter, kommt nach einer Reparatur wieder oder setzt er sich im Untergrund fort, sollte zuerst die Ursache geklärt werden.
Zeigt sich während der Trocknung Schimmel auf frischem Lehmputz, ist das zunächst ein Hinweis darauf, dass die Feuchtigkeit nicht schnell genug aus Putz und Raum abgeführt wird. Besonders bei dicken Putzschichten, großen frisch verputzten Flächen, hoher Luftfeuchtigkeit oder zu wenig Luftaustausch kann das passieren.
Jetzt ist es wichtig, die Trocknungsbedingungen sofort zu verbessern. Kräftiges Querlüften und zusätzliche Luftbewegung durch Ventilatoren können helfen. Reicht das nicht aus, kann ein geeigneter Bautrockner notwendig sein. Dabei sollte der Putz nicht mit extremer Hitze möglichst schnell getrocknet werden.
Ein leichter, oberflächlicher Befall, der während der Trocknungsphase entstanden ist, sollte erst bearbeitet werden, wenn die Fläche ausreichend getrocknet ist. Dabei möglichst nicht trocken abbürsten, da dadurch Sporen und Staub unnötig in der Raumluft verteilt werden können.
Die betroffene Oberfläche kann vorsichtig leicht angefeuchtet und anschließend oberflächlich abgenommen bzw. abgerieben werden. Da Lehm wieder mit Wasser bearbeitbar ist, lässt sich die Oberfläche danach mit geeignetem Lehmmaterial ausbessern und neu strukturieren.
Bei stärkerem, tiefergehendem oder wiederkehrendem Schimmelbefall sollte nicht einfach weiterverputzt werden. Dann muss zunächst die Ursache geklärt und beurteilt werden, ob befallenes Material entfernt werden muss. Bei größeren Flächen ist eine fachkundige Beurteilung sinnvoll.
Erst wenn die Fläche vollständig trocken und schimmelfrei ist, sollte der weitere Wandaufbau erfolgen. Schimmel nicht einfach mit Oberputz, Edelputz oder Lehmfarbe überdecken.
Tritt Schimmel erst längere Zeit nach dem Verputzen auf oder wird die Wand immer wieder feucht, liegt möglicherweise ein grundsätzliches Feuchteproblem vor. Dann sollte beispielsweise geprüft werden, ob Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk, eine Undichtigkeit oder eine andere Ursache dahintersteckt.
Unser Tipp: Gerade bei größeren Lehmputzflächen schon vor Beginn der Arbeiten überlegen, wie die Feuchtigkeit anschließend aus dem Gebäude kommt. Fenster, Jahreszeit, Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit gehören deshalb genauso zur Planung wie Putz und Werkzeug.
Ein Vorteil von Lehmputz ist, dass er sich auch später noch gut reparieren und nacharbeiten lässt. Lehm wird durch Trocknung fest und kann durch Wasser wieder angefeuchtet und bearbeitbar gemacht werden. Kleine Macken, Bohrlöcher oder örtlich beschädigte Stellen bedeuten deshalb normalerweise nicht, dass eine ganze Wand neu verputzt werden muss.
Zunächst werden lose oder nicht mehr tragfähige Bestandteile entfernt. Die Ränder der Schadstelle sollten fest sein. Anschließend wird der vorhandene Lehmputz im Reparaturbereich vorsichtig angefeuchtet. Dadurch verbindet sich das neue Lehmmaterial besser mit dem vorhandenen Putz.
Kleinere Vertiefungen und Löcher können mit einem zur vorhandenen Putzschicht passenden Lehmmaterial aufgefüllt werden. Bei tieferen Schadstellen ist es besser, nicht eine sehr dicke Lage auf einmal einzubringen, sondern die Stelle schrittweise wieder aufzubauen und die einzelnen Lagen ausreichend trocknen zu lassen.
Nach dem Trocknen kann die reparierte Stelle an die vorhandene Oberfläche angepasst werden – beispielsweise durch Abreiben, Glätten oder einen dünnen Ober- bzw. Edelputzauftrag.
Bei farbigen oder sehr fein gestalteten Oberflächen kann eine Reparatur zunächst sichtbar bleiben. Dann kann es sinnvoll sein, nicht nur die kleine Schadstelle, sondern einen etwas größeren zusammenhängenden Bereich nachzuarbeiten, damit ein gleichmäßigeres Erscheinungsbild entsteht.
Unser Tipp: Reste des verwendeten Lehmputzes nach einem Projekt nicht gleich entsorgen. Trocken gelagertes Lehmmaterial kann später sehr praktisch sein, wenn Bohrlöcher, kleine Beschädigungen oder andere Stellen an genau dieser Wand ausgebessert werden sollen.
Ein fertig getrockneter Lehmputz kann auf unterschiedliche Weise weitergestaltet werden. Er kann naturbelassen bleiben, mit einer feinen Putzschicht weiterbearbeitet oder gestrichen werden. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt davon ab, welche Oberfläche und Farbwirkung gewünscht wird.
Besonders gut passen Lehmfarben zum Lehmputz. Sie ergeben eine matte, natürliche Oberfläche und ergänzen den Wandaufbau, ohne seine feuchteregulierenden Eigenschaften unnötig einzuschränken.
Wer statt einer gestrichenen Wand eine feinere oder lebendigere Putzoberfläche möchte, kann beispielsweise einen Lehm-Edelputz als dünne dekorative Endschicht auftragen. Damit lassen sich Farbe, Struktur und Charakter der Wand direkt über den Putz gestalten.
Auch andere geeignete mineralische Anstriche können je nach Untergrund und Wandaufbau infrage kommen. Bei bereits vorhandenen oder später geplanten Beschichtungen sollte jedoch darauf geachtet werden, dass sie zum Lehmputz passen. Sehr dichte Beschichtungen können die besonderen Eigenschaften des Lehmputzes einschränken.
Vor einem neuen Anstrich muss der Lehmputz vollständig trocken, tragfähig und frei von losem Staub sein. Je nach Oberfläche und verwendetem Anstrich kann außerdem eine entsprechende Vorbereitung oder Grundierung erforderlich sein.
Unser Tipp: Lehmputz muss nicht zwingend gestrichen werden. Gerade ein schön ausgeführter Oberputz kann selbst die fertige Wandoberfläche bilden. Wer Farbe möchte, findet bei Lehmfarben eine große Auswahl an Farbtönen – und unterschiedliche Farbtöne lassen sich auch miteinander kombinieren.
Auf dem Weidenhof können Sie sich Farbmuster ansehen und verschiedene Lehmfarbtöne direkt miteinander vergleichen. Außerdem verleihen wir einen Musterkoffer, sodass die Farben in Ruhe im eigenen Raum und bei den dortigen Lichtverhältnissen betrachtet werden können. So lässt sich die Wirkung einer Farbe wesentlich besser beurteilen als nur auf einem Bildschirm.
Ja, Lehmputz kann sehr gut im Badezimmer eingesetzt werden, solange er nicht dauerhaft Wasser oder direktem Spritzwasser ausgesetzt ist. Gerade im Bad kann seine Fähigkeit, Feuchtigkeit aus der Raumluft aufzunehmen und später wieder abzugeben, interessant sein.
Geeignet sind beispielsweise Wand- und Deckenflächen außerhalb der direkten Nassbereiche. Dort kann Lehmputz dazu beitragen, kurzfristig entstehende Feuchtigkeitsspitzen – etwa nach dem Duschen – abzupuffern. Voraussetzung ist natürlich trotzdem, dass das Badezimmer ausreichend gelüftet wird.
Anders sieht es in direkten Spritzwasserbereichen, beispielsweise innerhalb einer Dusche oder unmittelbar an der Badewanne, aus. Dort sollte Lehmputz nicht als ungeschützte Oberfläche eingesetzt werden. Diese Bereiche benötigen einen dafür geeigneten und fachgerecht abgedichteten Wandaufbau.
Auch im Badezimmer muss der Untergrund trocken und tragfähig sein. Dauerhaft feuchte Wände oder vorhandene Feuchteschäden werden durch Lehmputz nicht behoben. Die Ursache muss zunächst gefunden und beseitigt werden.
Anschließend kann die Lehmputzfläche beispielsweise mit einer geeigneten Lehmfarbe gestaltet werden.
Unser Tipp: Lehmputz und Bad müssen sich nicht ausschließen. Entscheidend ist die Aufteilung: Lehm an den Wand- und Deckenflächen, an denen er seine feuchteregulierenden Eigenschaften ausspielen kann – und ein geeigneter, wasserbeständiger Aufbau dort, wo regelmäßig direktes Wasser auf die Wand trifft.