Im Frühling haben wir Mama und Papa Blaumeise beim Nestbau begleitet. Wir haben zugeschaut, wie sie unermüdlich Raupen und kleine Insekten für ihre drei hungrigen Kinder gesammelt haben. Und schließlich war der große Tag gekommen: Die kleinen Blaumeisen haben das Nest verlassen und ihre ersten Flugversuche unternommen.
Inzwischen ist viel Zeit vergangen.
Die Blätter haben sich bunt gefärbt, die Tage sind kürzer geworden und an manchen Morgen glitzert der erste Frost auf den Zweigen.
Aber wo ist Familie Blaumeise jetzt? Und wie kommt sie eigentlich durch den Winter?
Ja, viele Blaumeisen bleiben auch im Winter bei uns. Sie gehören zu den sogenannten Standvögeln.
Allerdings bleiben nicht alle Blaumeisen das ganze Jahr am selben Ort. Manche ziehen ein Stück weiter, und aus nördlicheren Regionen kommen andere Blaumeisen zu uns.
Und unsere drei Blaumeisenkinder?
Die sind inzwischen erwachsen und längst selbstständig. Mama, Papa und die Kinder leben nicht mehr als Familie zusammen.
Im Winter sind Blaumeisen häufig in kleinen, lockeren Gruppen unterwegs. Manchmal schließen sie sich auch Kohlmeisen und anderen kleinen Vögeln an.
Gemeinsam durchstreifen sie Bäume, Hecken und Sträucher.
Aber wonach suchen sie eigentlich?
Im Frühling gab es für unsere Blaumeisen jede Menge Raupen. Doch jetzt, mitten im Winter, ist kaum noch eine zu entdecken.
Sind die kleinen Tiere etwa alle verschwunden?
Nein! Viele haben sich nur gut versteckt.
Unter der Rinde alter Bäume, in kleinen Ritzen und zwischen Zweigen überwintern Insekten, ihre Eier, Larven und Puppen. Auch winzige Spinnen sind dort zu finden.
Und genau danach sucht unsere Blaumeise!
Geschickt hüpft sie von Zweig zu Zweig. Sie untersucht Knospen, schaut unter kleine Rindenstücke und hängt manchmal sogar kopfüber an einem Ast.
Was für uns wie ein kahler Winterbaum aussieht, kann für eine Blaumeise voller kleiner Leckerbissen stecken!
Wenn sie weniger tierische Nahrung findet, frisst sie auch Samen und andere pflanzliche Nahrung.
Und genau deshalb lohnt es sich, im Herbst nicht alles im Garten abzuschneiden und wegzuräumen.
Schau Dir einmal eine dichte Hecke an.
Zwischen ihren Zweigen kann sich eine Blaumeise vor Wind und möglichen Feinden verstecken. An Ästen, Knospen und in kleinen Ritzen findet sie außerdem Nahrung.
Besonders wertvoll sind Hecken aus heimischen Sträuchern. Sie bieten vielen Insekten Lebensraum und damit auch Nahrung für unsere Vögel.
Und wenn wir verblühte Stauden über den Winter stehen lassen, bleiben Samenstände und hohle Pflanzenstängel erhalten.
Darin oder daran können kleine Tiere überwintern, während manche Samen von Vögeln gefressen werden.
Ein Garten muss im Winter also gar nicht ordentlich aufgeräumt aussehen. Im Gegenteil: Gerade die scheinbar unordentlichen Ecken können voller Leben sein.
Im Herbst fallen überall Blätter auf den Boden.
Viele Menschen holen jetzt den Laubrechen heraus und sammeln jedes einzelne Blatt ein.
Aber halt! Schauen wir doch einmal genauer hin.
Unter einer lockeren Laubschicht entsteht ein geschützter Lebensraum.
Hier verstecken sich Käfer, Spinnen, Asseln, Tausendfüßer und viele andere kleine Tiere. Manche verbringen dort den Winter als erwachsene Tiere, andere als Ei, Larve oder Puppe.
Das Laub schützt sie vor Wind, Austrocknung und starken Temperaturschwankungen. Unter den Blättern ist es oft weniger frostig als auf dem unbedeckten Boden.
Und was hat unsere Blaumeise davon?
Wenn es wieder wärmer wird, werden viele dieser kleinen Tiere aktiv. Einige können dann auch von Blaumeisen gefressen werden.
Deshalb lassen wir das Laub unter unseren Hecken und Sträuchern einfach liegen.
Denn was für uns nur ein Haufen Blätter ist, kann für viele kleine Gartenbewohner ein richtiges Winterquartier sein.
Auch ein Laubhaufen in einer ruhigen Gartenecke ist eine gute Idee.
Zwischen den Blättern finden viele kleine Tiere Schutz. Und wenn wir zusätzlich etwas Reisig und Zweige liegen lassen, entstehen weitere Versteckmöglichkeiten.
Sogar ein Igel kann einen geeigneten, trockenen und geschützten Laub- und Reisighaufen als Winterquartier nutzen.
Unsere Blaumeise schläft zwar nicht darin, aber sie profitiert von den vielen kleinen Tieren, die in einem naturnahen Garten leben.
Und wer weiß? Vielleicht begegnen wir hier später auch unserem Freund Ulli Igel!
Ja! Besonders an kalten Wintertagen können wir ihnen zusätzliches Futter anbieten.
Denn so eine kleine Blaumeise braucht erstaunlich viel Energie, um ihren Körper auch bei Frost warm zu halten.
Aber was schmeckt ihr eigentlich?
Am besten verwenden wir ein Futtersilo, in dem das Futter trocken bleibt und nicht durch Vogelkot verschmutzt wird.
Wichtig ist auch, dass wir die Futterstelle regelmäßig reinigen und verdorbenes Futter entfernen.
Brot, gesalzene Nüsse und gewürzte Essensreste gehören übrigens nicht auf den Speiseplan unserer Blaumeisen.
Und noch etwas sollten wir nicht vergessen:
Auch im Winter haben Blaumeisen Durst!
Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft ihnen beim Trinken. Bei Frost müssen wir das Wasser regelmäßig erneuern.
Aber selbst die beste Futterstelle kann einen lebendigen Garten nicht ersetzen.
Denn dort finden Blaumeisen nicht nur Futter, sondern auch Schutz und viele natürliche Nahrungsquellen.
Du kannst Familie Blaumeise auch einen tollen Meisenknödelhalter bauen.
Hast du schon einmal eine Blaumeise gesehen, die wie eine kleine, runde Federkugel aussieht?
Dann hat sie wahrscheinlich ihr Gefieder aufgeplustert.
Zwischen den Federn wird Luft eingeschlossen. Diese Luft hilft dabei, die Körperwärme zu halten.
Das funktioniert ein bisschen wie bei unserer Winterjacke!
Trotzdem ist es für so einen kleinen Vogel anstrengend, bei Frost warm zu bleiben.
Deshalb muss unsere Blaumeise tagsüber immer wieder Nahrung suchen, um genügend Energie für die kalte Nacht zu sammeln.
Langsam wird es dunkel.
Unsere Blaumeise hat den ganzen Tag nach Futter gesucht. Jetzt braucht sie einen sicheren Platz für die Nacht.
Vielleicht findet sie eine kleine Baumhöhle oder einen anderen geschützten Hohlraum. Auch ein geeigneter Nistkasten kann als Schlafplatz dienen.
Dort ist sie besser vor Wind und Niederschlag geschützt.
Aber schlafen Mama, Papa und die drei Kinder jetzt wieder gemeinsam in ihrem alten Nest?
Nein. Die Jungvögel sind längst selbstständig, und Blaumeisen verbringen die Winternächte gewöhnlich einzeln an geschützten Schlafplätzen.
Morgen früh beginnt die Nahrungssuche von Neuem.
Zieh dich warm an und geh einmal mit Blaumeisen-Augen durch euren Garten.
Schau dich ganz genau um:
Und wenn du eine Blaumeise entdeckst, die kopfüber an einem Zweig hängt, dann bleib einmal ganz still stehen.
Vielleicht kannst du beobachten, wie geschickt sie selbst im tiefsten Winter noch etwas zu fressen findet.
Jetzt wissen wir, dass Familie Blaumeise auch im Winter einiges braucht.
Alte Bäume, heimische Hecken, stehen gebliebene Pflanzen, Laub unter den Sträuchern und geschützte Schlafplätze machen ihr das Leben leichter.
Mit einer geeigneten Futterstelle und frischem Wasser können wir zusätzlich helfen.
Und das Schönste daran?
Wenn wir unseren Garten im Winter ein bisschen in Ruhe lassen, helfen wir nicht nur den Blaumeisen, sondern auch vielen anderen kleinen und großen Gartenbewohnern.
Denn auch wenn draußen alles still aussieht, ist unser Garten im Winter voller Leben.