Im Garten verändert sich etwas. Die Blätter fallen von den Bäumen, die Nächte werden länger und morgens glitzert manchmal schon Raureif auf dem Gras.
Für uns Igel beginnt eine wichtige Zeit. Bevor der Winter kommt, brauchen wir genügend Fettreserven und einen geschützten Schlafplatz.
Ich werde noch bei Petra aufgepäppelt. Aber auch ich soll Winterschlaf halten, sobald ich gesund und kräftig genug bin. Warum das so wichtig ist und wie wir unser Winternest bauen, erzähle ich Euch jetzt.
Wenn es kalt wird, finden wir immer weniger Nahrung. Käfer, Raupen und andere kleine Tiere sind dann kaum noch für uns erreichbar.
Wir können also nicht einfach den ganzen Winter weiter durch den Garten laufen und nach Abendessen suchen. Dabei würden wir mehr Energie verbrauchen, als wir mit unserer Nahrung aufnehmen.
Unsere Lösung heißt Winterschlaf. Dabei stellt sich unser Körper um und verbraucht viel weniger Energie. So überbrücken wir die nahrungsarme Jahreszeit.
Unser Vorrat liegt übrigens nicht in einer Speisekammer. Wir tragen ihn als Fettpolster am Körper!
Wir haben dafür keinen festen Termin im Kalender. Kürzere Tage, sinkende Temperaturen und weniger Nahrung tragen dazu bei, dass unser Körper sich auf den Winter einstellt.
Erwachsene Igel beginnen häufig zwischen Ende Oktober und Mitte November mit dem Winterschlaf. Junge Igel sind oft noch länger unterwegs, weil sie erst genügend Reserven anfressen müssen. Manche gehen deshalb erst Ende November oder Anfang Dezember schlafen.
Auch das Wetter und die Region spielen eine Rolle. Wir verschwinden also nicht alle am selben Abend in unseren Nestern.
Für den langen Winterschlaf brauchen wir einen besonders gut geschützten Platz.
Den finden wir zum Beispiel unter einer dichten Hecke, in einem Laub- und Reisighaufen oder in einem trockenen Hohlraum unter einem Holzstapel. Auch ein geeignetes Igelhaus kann uns Schutz bieten.
Wichtig ist, dass unser Nest vor Regen, Bodennässe und starken Temperaturschwankungen geschützt ist. Ein Platz, auf den im Winter ständig die Sonne scheint, ist ungünstig: Dort kann sich das Quartier zu stark erwärmen.
Wir brauchen kein warmes Wohnzimmer. Wir brauchen ein kühles Winterquartier und ein gut isolierendes Nest.
Unser wichtigstes Baumaterial ist trockenes Laub. Besonders gut lassen sich größere Laubblätter zu schützenden Schichten zusammenlegen. Auch etwas trockenes Gras kann dazwischenliegen.
Äste und Reisig rund um den Nestplatz geben Halt und schützen das Laub davor, fortzuwehen.
Von außen sieht so ein Platz oft nur wie ein unscheinbarer Haufen aus. Das eigentliche Nest liegt gut verborgen darin. Einen großen, offenen Höhleneingang braucht es nicht.
Stellt Euch vor, ich hätte unter einer Hecke einen passenden Platz gefunden.
Dann beginnt die Arbeit: Ich sammle Blätter und trage sie im Maul herbei. So kommt nach und nach genügend Material zusammen.
Anschließend schiebe ich mich hinein und drehe mich im Laub. Mit meinem Körper drücke ich die Blätter aneinander. Dabei legen sie sich in mehreren Schichten übereinander – ähnlich wie Dachziegel oder Schuppen.
Außen halten die umgebenden Zweige dagegen. Innen entsteht ein kleiner Hohlraum, in dem ich zusammengerollt liegen kann.
Die dicken Laubwände bremsen den Wärmeverlust und schützen mich vor dem Wetter. Das Nest heizt allerdings nicht wie Eure Heizung. Es hilft mir, mit meinen eigenen Energiereserven durch den Winter zu kommen.
Sucht gemeinsam mit einem Erwachsenen eine ruhige, geschützte Gartenecke aus, zum Beispiel unter Sträuchern.
Dort könnt Ihr trockenes Laub zusammentragen und mit locker liegenden Zweigen und Reisig kombinieren. Die Zweige geben dem Haufen Halt. Lasst auch in der Umgebung Blätter liegen, damit ein Igel selbst weiteres Nestmaterial sammeln kann.
Den Innenausbau übernehmen wir am liebsten selbst.
Wenn der Haufen fertig ist, bleibt er liegen. Bitte schaut später nicht nach, ob schon jemand eingezogen ist. Beim Nachsehen könntet Ihr ein Nest beschädigen oder seinen Bewohner wecken.
Und falls dort bereits ein Nest liegt: nichts umschichten oder dazustecken, sondern den Platz in Ruhe lassen.
Wenn ich in meinem Nest zusammengerollt liege, wird mein Körper deutlich kühler als im wachen Zustand.
Mein Herz schlägt viel langsamer, und ich atme seltener. Auch die anderen Vorgänge in meinem Körper laufen stark verlangsamt ab.
Dadurch reichen meine Fettreserven wesentlich länger. Trotzdem verbrauche ich Energie und bin nach dem Winter leichter als vorher.
Winterschlaf ist also etwas anderes als Euer nächtlicher Schlaf. Mein ganzer Körper stellt sich auf das Überleben mit wenig Nahrung ein.
Unser Winterschlaf dauert meist etwa vier bis sechs Monate.
Viele Igel schlafen bis März oder April. In kühlen Gegenden oder bei einem späten Frühjahr kann es auch länger dauern.
Wir schlafen dabei nicht unbedingt ohne jede Unterbrechung. Gelegentlich wachen wir auf. Manchmal bleiben wir im Nest, manchmal verlassen wir es kurz.
Ein wacher Igel im Winter ist deshalb nicht automatisch krank. Ist er aber bei Schnee oder Dauerfrost unterwegs, wirkt schwach oder ist verletzt, sollten Erwachsene eine fachkundige Igelstation um Rat fragen.
Unnötiges Aufwachen kostet uns Energie. Deshalb brauchen wir im Winter vor allem Ruhe.
Laub- und Reisighaufen, Holzstapel und wilde Gartenecken sollten während dieser Zeit unberührt bleiben. Auch an den ersten warmen Frühlingstagen können darin noch Igel schlafen.
Falls Ihr bei Gartenarbeiten versehentlich ein Nest aufdeckt, holt einen Erwachsenen dazu. Deckt es vorsichtig wieder mit dem vorhandenen Material zu. Wenn das Nest beschädigt ist oder nicht an seinem Platz bleiben kann, fragt eine Igelstation, wie Ihr helfen könnt.
Wann wird Ulli wieder wach?
Wenn es im Frühjahr über längere Zeit wärmer wird, endet nach und nach unser Winterschlaf.
Dann werden Herzschlag, Atmung und Körpertemperatur wieder hochgefahren. Das kostet Kraft.
Nach dem Aufwachen brauchen wir Wasser und müssen wieder Nahrung finden. Wie gut, wenn unter den Hecken noch Laub liegt und in Eurem Garten viele kleine Tiere leben!
Bis dahin bleibt mein Winterplatz ungestört.
Gute Nacht und bis zum Frühling!
Euer Ulli Igel